Von Farmland, Wald, vielen Höhenmeter und der nachlassenden Schlammphobie

Tag 1, Invercargill bis zu einer Sanddüne irgendwo vor Riverton

Strecke: 21km; Schlafplatz: Zelt

Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker. Menno, frei und so früh aufstehen! Ein langes Strandstück liegt vor uns. Unserer Kalkulation nach könnten wir dann aber die erste Flussüberquerung bei Ebbe schaffen, empfehlenswert. Rucksäcke auf und los geht es. Bepackt mit Lebensmittel für 10 Tage und voll aufgefülltem Wasservorrat liegen wir bei 18kg bzw. 21kg. Merkt man….

Noch ist die Euphorie, dass es endlich losgeht so groß, dass wir das Gewicht nicht als zu störend empfinden. Die Sonne geht auf, was für ein Gefühl!

Das erste Stück ist noch nicht spektakulär, aber nach 10km kommen wir an den Strand, kilometerlang, ohne Menschenseele! Getrübt wird die Freude nur durch den starken vom Meer kommenden Wind, der das Laufen anstrengend macht. Läufer kennen das Gefühl, dass sich irgendwann ein „Flow“ einstellt. Man hat keine Schmerzen, stört sich nicht an dem schweren Rucksack und geniesst einfach nur einen Schritt vor den nächsten zu setzen.

Bei mir war das nicht so…

Die Pausen werden häufiger. Den niedrigsten Stand der Ebbe haben wir nun erreicht aber zum Fluss ist es noch ein gutes Stück. Wir spielen mit dem Gedanken für heute Schluss zu machen und schlagen uns hinter die Dünen. Den beissenden Wind zu entkommen ist eine Wohltat! Dann kommt noch die Sonne durch die Wolken, genial! Kurz nachgerechnet erkennen wir, dass ein Abwarten bis zur nächsten Ebbe 6h dauert, soo gemütlich ist es hier auch nicht, und ein Zelt aufstellen unmöglich. Also entschließen wir uns, bis zum Fluss zu laufen um zu sehen, ob eine Querung noch möglich ist. 

Guter Entschluss, die Querung ist noch problemlos möglich. Danach suchen wir ernsthaft hinter den Dünen nach einem Zeltplatz und werden fündig! Das Wetter schlägt jetzt komplett um zu einem wolkenlosem Himmel, der erste Sonnenbrand vorprogrammiert. Da stimmt wohl der Spruch: If you do not like the weather in New Zealand, wait half an hour and you will have a different!

Tag 2: Sanddüne bis zum spektakulärem Platz vor Colac Bay

Strecke: 18 km

Schlafplatz: Zelt

Erholt machen wir uns auf! Die Sonne strahlt, die Laune ist blendend! Da das Wasser knapp ist, setzen wir klare Prioritäten: Kaffee auf Platz 1. Für Abendessen und Frühstück benötigen wir 2 Liter, tagsüber je 2 Liter in den Trinkblasen. Es ist einem ständig bewusst, wieviel Wasser man hat und wie weit es bis zur nächsten Quelle ist, ist das doch der limitierende Faktor. Heute wollen wir in Riverton eine Mittagspause machen und dann noch weiter bis wir einen Platz zum campen finden. Der Strand scheint ewig und ist menschenleer. Wir vertreiben uns die Zeit damit, den Vögeln zuzusehen, die auf einem Bein stehen und nach Muscheln picken (vielleicht mögen die Vögel auch keine nassen Füsse und trocknen immer eins?). 

Mittags erreichen wir Riverton und lassen uns nochmal ein gutes Essen schmecken. Ohne Murren füllt die Bedienung all unsere Wasserbehälter auf, erhält dafür ein großzügiges Trinkgeld und los gehts. Es geht den ersten Anstieg hinauf und dann steil nach unten. Alexs Knie murrt auch nicht, wunderbar!

Der erste Blick danach lässt Böses ahnen bzgl. Zeltplatzsuche, wird schwierig! Vor allem müssen wir einen Platz finden, bei dem wir nicht auf Farmland sind, nicht anspruchslos. Aber als alter Pfadfinder wird sich schon was finden! 

Erstmal geniessen wir die grandiose Aussicht auf das raue Meer, die meterhohen Wellen, die auf die Felsen schmettern während wir unseren Weg über Steine, Farmland und kleine Waldstücke bahnen. Schliesslich finden wir denn perfekten Spot. Direkt an einer steil abfallenden Klippe, ein ebener Platz mit spektakulärer Sicht! Ein Regenschauer treibt uns ins Zelt, während draussen ein kleiner Sturm aufzieht, geniessen wir einen Whiskey Absacker (ja, das Kilo gönnen wir uns wieder) und lassen den Tag ausklingen.

Tag 3: Spektakulärer Platz bis mitten im Wald auf dem Weg nach Merryvale (Ports Water Race)
Strecke: 20km
Schlafplatz: Zelt

Die Nacht war, wie vermutet, eher wenig erholsam. Der Wind hat nicht nachgelassen und ständig am Zelt gerüttelt. Naja, jetzt ist die Nacht ja vorbei. Die Sonne lacht, aber der Wind hat nicht nachgelassen, das heisst, keine Chance auf Kaffee. Nicht gut geschlafen und keinen Kaffee… jeder der Alex kennt, weiss, dass das eine gefährliche Mischung ist und im Desaster enden könnte! Heiko ist sich der Gefahr bewusst und findet rasch ein windgeschütztes Plätzchen. Mit dem Kaffee in der Hand, der Sonne im Gesicht ist alles gleich viel schöner!
Beschwingt laufen wir los. Es geht runter zum Strand, in tiefem Kies am Strand entlang (anstrengend!) und dann wieder raus aus der Bucht. Dabei ist es eher eine Kletterei als ein normales Laufen. Aha, der Trail kann also auch anders… Plötzlich ein lautes Geräusch und eine kleine Robbe flieht vor uns ins Meer. Uiiiii, toll! Als die Robbe merkt, dass wir nicht hinterherkommen, spielt sie noch ein wenig in den Wellen – wir geniessen das Schauspiel!
Dann folgt ein langes Strandstück bis Colac Bay. Der Sand ist weich, sodass man tief einsinkt. Da merkt man die Oberschenkelmuskulatur! Direkt am Wasser ist es noch am einfachsten zu laufen. Zweimal hätte die Welle mich fast erwischt, aber mit unglaublicher Reaktion konnte ich nasse Füsse verhindern. Silvo und Nico, unsere Boxtrainer, wären stolz auf meine Sprungkraft mit 18kg extra Gewicht! Ob das auf die Dauer energieschonender ist, als im tiefen Sand zu laufen? Man weiss es nicht, in jedem Fall bringt es mehr Spass! Bis die Welle schneller war — das erste Mal nasse Füsse / Socken / Schuhe auf dem Trail, bäh!

Wir nähern uns dem Ende des Strandes und treffen auf Warren, einem Surfer, der in seinem Auto sitzt und wohl auf die richtige Welle wartet. Wir plaudern ein wenig, erzählen von Hiking4haiti und dem Trail. Er ist super begeistert und lädt uns ein, ihn zu besuchen, wenn wir in Queenstown ankommen. Seine Frau würde sich sicher freuen. Mmh, ob sie das dann wirklich tut, wenn er wildfremde Hiker nach Hause einlädt?!? Wir nehmen natürlich an und tauschen Telefonnummern aus. Toll! Für Wellington haben wir auch schon eine Einladung, läuft! Wir fragen noch, ob er weiss, wo wir uns ggf. Duschen könnten und tatsächlich hat er einen Kumpel, der in der Nähe eine Aussendusche hat. Der ist zwar nicht da, aber Warren meint, das wär kein Problem. Wir duschen uns und waschen unsere Klamotten aus. Herrlich!!

Sauber und glücklich finden wir ein Kaffee und essen ein paar Cheeserolls – eine neuseeländische Spezialität. Toast mit Käse gerollt und dann überbacken. Schmeckt lecker, wie Toast mit Käse halt. Der Wirt empfiehlt uns noch eine Abkürzung, die wir aber ausschlagen – sind ja noch am Anfang des Trails!!
Das nächste Stück ist ätzend, 6km an der Strasse, dann erreichen wir den Anfang des Trails, der uns nun die nächsten Tage durch den Wald führen wird.
Der Wald ist wunderschön, viele Farne, die so gross wie Bäume werden und an Palmen erinnern oder hüfthohe Farne, die den Weg komplett verschlucken.
Dann reicht es uns, und wir suchen einen Platz. Nicht so einfach im Wald, aber wir werden fündig und finden ein verstecktes Plätzchen, an dem wir eine wunderbare, erholsame Nacht verbringen.

Tag 4: Mitten im Wald bis „Martins Hut“
Strecke: 19km
Schlafplatz:  Hütte

Ausgeschlafen und voller Energie laufen wir los. Der Weg ist wunderschön, gleicht aber relativ schnell eher einem Hindernisparkour. Über Bäume balancieren, unter Bäume kriechen, über Bäche hüpfen, durch Bäche platschen, durch Matsch laufen, alles ist dabei! Die schöne Umgebung entschädigt aber für die eine oder andere Strapaze.
Das Wetter schlägt um und es regnet, was die Balancierarbeit nicht einfacher macht. Zumindest könnten die nassen Farne, die schlammverschmierte Beine wieder sauber machen. Ist aber nicht so. Die nassen Farne machen die schmutzigen Beine nur zusätzlich nass.  Toll!
Nach einer Mittagsrast mit heisser Suppe geht es weiter, nun zehrt der Weg an der Energie. Eigentlich wollten wir die kommende Hütte nur als Rastplatz nutzen und dann weitergehen, aber das scheint immer unwahrscheinlicher. Schliesslich dann noch ein steiler, schlammiger Anstieg und dann die Hütte. Welch ein willkommener Anblick! In der Hütte treffen wir auf zwei andere Wanderer, aber auch das kann uns nicht davon abhalten die letzten zwei Plätze in Beschlag zu nehmen. Nachdem wir erstmal mit einer Tafel Schokolade Energie auffüllen, richten wir uns für unsere erste Nacht in einer Hütte ein. Mal sehen.

Tag 5: Martins Hut bis Bald Hill
Strecke: 16km
Schlafplatz: Zelt

Das Schlafen in der Hütte. Mmh. Was soll man sage, kann man machen, muss man aber nicht. Tendenz geht in jedem Fall zum Zelt. Trotzdem schlafen wir gut. Nachdem wir vom Vortag noch erschöpft sind, beschliessen wir eine kürzere Etappe zu machen und uns einen Platz zum zelten irgendwo zu suchen. Ist ja kein Wettrennen! Es geht direkt einen steilen Anstieg hoch (insgesamt liegen heute über 1000 Höhenmeter vor uns). Da es durch den Wald führt, erinnert der Anstieg wieder eher einer Kletterei. In jedem Fall sehr anstrengend. Davon hatte der Wanderer Jasper, der uns entgegengekommen ist nichts gesagt. Mmh, hoffentlich stimmt wenigstens seine zweite Aussage: Auf meine Frage, ob der Weg sehr matschig wird, meinte er: No, not really. Super!!

Der Anstieg belohnt uns in jedem Fall mit toller Sicht! Es geht wieder runter, wieder hoch – wieder tolle Aussicht, wieder runter, wieder hoch, usw. Die matschigen Stellen werden häufiger. Viele kann man noch umgehen, aber es passiert, was passieren muss. Jaspers und meine Auffassung von matschig sind in jedem Fall weit auseinander!
Das gute ist, dass wir danach deutlich schneller vorankommen, da ich nicht jede matschige Stelle weiträumig umgehe. Eh schon egal, die Brühe ist schon drin im Schuh! Bei jedem Schritt gib es ein schmatzendes Geräusch wenn man den Fuss aus dem Schlamm zieht.
Der Wald ändert sein Gesicht, die Bäume sind urig vermoost, eine ganz tolle Atmosphäre! Dann verlassen wir den Wald und kommen auf einen Kiesweg. Diesen gilt es an den Gipfel von Bald Hill zu folgen. Die Sonne brennt erbarmungslos, die Trinkpausen werden häufiger. Mmh, sollte da nicht noch ein Fluss kommen? Unsere Wasservorräte sind fast leer, vor dem Campen brauchen wir in jedem Fall noch Wasser. 5 Minuten nach dem letzten Schluck Wasser klebt uns schon die Zunge am Gaumen – wahrscheinlich nur, weil man weiss, dass man kein Wasser mehr hat.

Dann – ein, naja, nennen wir es grosszügig „Rinnsal“. Aber das nützen wir aus! Alle Hüllen fallen, wir waschen uns, unsere Klamotten, unsere Füsse und füllen alle Wasserbehälter auf. Natürlich in anderer Reihenfolge!

So, nur noch Platz zum schlafen finden und relaxen!!

Tag 6: Bald Hill bis „Merriview Hut“
Strecke: 15 km
Schlafplatz: Hütte

Wir schlafen wunderbar und werden morgens vom Wind geweckt. Ohha, keine Sonne. Hmh, vielleicht verziehen sich die Wolken wieder. Wir geniessen Kaffee und Frühstück im Zelt und rechnen nach, wieviele Vorräte wir noch haben. Ein paar Sachen gehen zur Neige, also entschliessen wir, nur zur nächsten Hütte zu gehen und dann kurz nach Otaotau zu trampen, um ein paar Sachen aufzufüllen. Nicht ideal, aber ok.
Die erste Tropfen fallen aufs Zelt, jetzt aber schnell. Wir schaffen es, das Zelt halbwegs trocken zu verpacken. Selber glauben wir noch an einen Wetterumschwung, also noch nicht volle Regenmontur. Gottseidank kommen wir rasch in den Wald, das hält den Regen etwas ab. 3h später ist es amtlich: die Hardshelljacke kann keinen Dauerregen abhalten. Wir reden hier auch nicht von Nieselregen, sondern von ausgewachsenen Sintflutartigen Regenfällen. Alles ist durchnässt, in den Schuhen steht das Wasser. Pfui! Pause machen im Regen ist auch ungemütlich, also ziehen wir durch. Die Hütte ist unsere Erlösung, diesmal ist ganz klar, dass wir sicherlich in der Hütte bleiben. Langsam kehrt Trockenheit und gute Stimmung zurück!
Das trampen hin und zurück zum Supermarkt klappt wunderbar! Das hab ich auch schon 20 Jahre nicht mehr gemacht ;). Wir gönnen uns ein schönes Bier und gehen früh schlafen, um fit zu sein für die erste lange Etappe!

Tag 7: Merriview Hütte bis Birchwood Hütte
Strecke: 27,5km
Schlafplatz: Hütte

Der Morgen graut und wir sind schon auf: 5.45 Uhr! Wir haben Respekt vor dieser Strecke, die nicht teilbar ist, da campen nicht erlaubt ist. Wir sind gut erholt, also los gehts!!
Schon der erste steile Anstieg macht mir zu schaffen, sodass Heiko mir das kg Käse abnimmt 😉 Gentleman!
Nach zwei Anstiegen kommen wir aus dem Wald raus, leichter Nieselregen setzt ein. Nach unseren gestrigen Erfahrungen ziehen wir gleich die modisch zwar fragwürdigen, aber effektiven Ponchos an.
Wieder im Wald, wieder ein Anstieg. Gefühlt geht es immer deutlich mehr nach oben als nach unten, kann aber auch ein Beobachtungsfehler sein. Wir treffen eine entgegenkommende Wanderin, die uns von der nächsten Hütte vorschwärmt: heisse Dusche inklusive — also doch wieder Hütte!!

Die Hütte ist wirklich gut ausgestattet, mit Kachelofen, Dusche, WC, Elektrizität und, was das Beste ist, wir sind ganz allein. Toll! Wir waschen uns, und unsere Sachen und geniessen den Abend am Kachelofen!

Tag 8: Birchwood Hütte bis Telford Campsite
Strecke: 25km + 4,5km extra
Schlafplatz: Zelt

Nach diesem schönen Abend in der tollen Hütte inklusive heisser Dusche starten wir vollmotiviert in den nächsten langen Tag. Gross werden wir darauf hingewiesen, dass man unbedingt auf den gut markierten Wegen bleiben soll. Kein Thema! Nach einer kleine Brücke führt uns der Weg über unwegsames Farmland. Markierungen sehen wir keine, aber der Trampelpfad ist nicht zu übersehen. Es geht immer am Zaun entlang, nach einem scharfen Rechtsknick steil nach oben, dann wieder ein Knick. Da sehen wir die erste Markierung. Juhu! Kurz kommt Irritation auf, weil der Weg wieder zurück führt, aber das wird schon seine Gründe haben! Der Weg ist hier deutlich einfacher und gut markiert. Wir folgen ihm motiviert, eine kleine Anhöhe hinunter, wieder ein scharfer Rechtsknick und kommen an eine kleine Brücke. Moment Mal. Die kennen wir doch!!!! Total verwirrt studieren wir die Karte. Shoot! Es ist schlimm aber wahr: wir sind im Kreis gelaufen. Mist!!! Wir laufen diesmal in die richtige Richtung und finden den richtigen Abzweig. Fazit: 4,5km zuviel gelaufen, 1,5h verloren. Und das am Anfang eines langen Tages ohne Zwischenamp Möglichkeit.

Hilft nichts, da müssen wir durch. Weiter über Schaafsweiden und Kuhweiden. Die Kühe sind sehr neugierig. Ein bisschen „scary“, sind schon riesen Viecher. Aber wir kommen unbeschadet vorbei.
Über wunderschöne Wiesen, die zum Verweilen einladen und wunderbar duften. Und viele Höhenmeter bergauf. Wir machen eine ausgedehnte Mittagspause. Die Etappe ist wirklich wunderschön, leider liegen aufgrund des Fehlers noch deutlich mehr Kilometer vor uns als hinter uns. Erste Zweifel regen sich, ob wir das schaffen…

Die nächste Flussüberquerung steht an, die aber sehr einfach zu bewältigen ist. Wir nutzen diese erzwungene Pause gleich um unser Wasservorräte aufzufüllen. Mittlerweile ist es 19 Uhr 7km liegen noch vor uns. Das bedeutet je nach Gelände 2h bis 2,5h. Puh! Der erste richtige Tiefpunkt ist erreicht. Alles schmerzt, jeder Schritt eine Qual. Wir beissen durch.

Jetzt muss doch bald der Zeltplatz kommen. Aber nein, noch eine Flussüberquerung. Gleichzeitig, das erste Mal auf dem Trail, unzählige Sandfliegen. Anders als der Name vermuten lässt, beissen die Tiere und hinterlassen juckende Stellen. Wir werden regelrecht überfallen von 1000enden von den Viechern. Langsam stellt sich eine Art Galgenhumor ein, der uns die letzten Kilometer bis zum ersehnten Ziel überstehen lässt. Am Platz angekommen bauen wir in Windeseile das Zelt auf um den Sandfliegen zu entkommen. Es ist 21 Uhr. Absolut erschöpft schlafen wir ohne Abendessen ein.

Tag 9: Telford Campsite bis Lower Wairaki Hut
Strecke: 8km
Schlafplatz: Zelt

Nach den zwei langen Tagen beschliessen wir, auszuschlafen und nur einen kurzen Tag zu machen. 8km – ein Traum! Komischerweise wird als Zeitangabe 4h angegeben, ein Schnitt von 2km/h. Das ist sicher nicht ernst gemeint… Erstmal ausschlafen. Regnet das? Nein, eigentlich nicht. Das prasselnde Geräusch auf dem Zelt kommt von den unzähligen Sandfliegen. Ohje. Schlachtplan zurechtlegen und dann auf in das Getümmel!

Der Weg führt uns bergauf und bergauf und bergauf. 800 Höhenmeter auf Geröll. Puh! Jetzt erklärt sich auch der km Schnitt. Oben dann phänomenale Aussicht!
Und danach im Wald alles wieder runter. Die vermeintlich kurze Etappe schlaucht uns sehr, aber dann kommen wir an die Hütte. Wir entschliessen uns diesmal fürs Zelt, regenerieren uns mit Whiskey und Schokolade!

Tag 10: Lower Wairaki Hut bis Aparima Hut
Strecke: 13km
Schlafplatz: Hütte

Die Nacht war erholsam nur aus den Federn wollen wir nicht so richtig, da das Pritzeln auf dem Zelt andeutet, dass wieder unzählige Mücken auf uns warten. Wir entschliessen, die Hütte für ein gemütliches Frühstück zu nutzen und freuen uns auf eine relativ kurze Etappe bis zur nächsten Hütte. Mittlerweile haben wir uns von denn langen Etappen erholt und freuen uns auf das Wandern!

Wir laufen los, wieder ein Monsteranstieg im Wald. Puh, geschafft. Dann geht es immer runter, einen Bach überqueren und dann die Böschung 10 Meter wieder rauf. Das wiederholt sich gefühlt 20 mal bis wir eine Mittagspause einlegen. Wir essen in jedem Fall schon wie richtige Wanderer, viele, viele Kalorien. Wir steigen im Wald wieder ab, überqueren eine Sumpfwiese und erreichen dann über eine „swinging bridge“ unser Ziel. Es gibt sogar zwei Hütten, beide sind leer und wir geniessen die Gelegenheit ein paar Sachen zu waschen und uns gemütlich hinzusetzen. Bald geht die erste Etappe zu Ende und ein Ruhetag steht an. Wir sind rundum zufrieden!

Tag 11: Aparima Hut bis Lower Princhester Hut
Strecke 17km
Schlafplatz: Hütte

Leider blieben wir nicht allein in der Hütte. Erst kam ein Däne samt Frau und Kinder, dann noch zwei Te Araroa Wanderer. Da wir aber schon sortiert waren, war es eher lustig und wir plauderten ein wenig. Ausserdem konnte ich am nächsten Morgen etwas Sonnencreme „schnorren“, der Nacken wirft kleine Blasen… Wobei das Wetter eher nach Regen aussieht, egal.

Wir laufen los und kommen schnell an ein Tussock Feld. Das Gras ist nass vom Nebel und Tau und schafft es erstaunlich schnell Schuhe, Socken, Hosen, Unterhosen und T-shirt klatschnass zu machen. Und dabei war es am Anfang noch eher oberschenkelhoch. Später wird das Gras „Alex-hoch“. Nur das Bewegen der Büschel und das gelegentliche Fluchen geben Heiko die Sicherheit, dass Alex noch hinter ihm ist. Der Kampf mit dem Gras wird nur unterbrochen von kleinen Bächen, die es zu überqueren gilt. Man denkt, ist ja eh schon nass, erkennt aber beim beherzten Tritt in den Bach, dass es doch noch eine Steigerung im Nässegrad gibt…Trotzdem ist diese Etappe wunderschön und ich geniesse den Tag, die Bewegung die Landschaft, komischerweise 😉

Da wir so nass sind, bietet sich keine Pause an, das ziehen wir durch! Wir treffen zwei Wanderer, die uns sagen, dass sie schon 5h unterwegs sind. What?! Es sind doch nur noch 5km – das macht uns doch ein wenig Angst. Es geht in den Wald oder „die grüne Hölle“. Bei abenteuerlichen Kletterpassagen aufwärts wird uns klar, warum die anderen solange gebraucht haben. Nach wenigen Kilometern und 2h Aufstieg erreichen wir den Gipfel. Jetzt nur noch alles wieder bergab…
Dann erreichen wir die Hütte. Schön! Gemeinsam mit einem Mitwanderer aus Hannover machen wir uns einen gemütlichen Abend!

Am nächsten Tag trampen wir relativ unproblematisch nach Te Anau und gönnen uns 1,5 Tage Ruhe. Verdient, wie wir finden!

Neues zu Hiking4Haiti

Während wir langsam an den Kilometern arbeiten, haben wir auch immer das Projekt Hiking4Haiti im Auge. Wir stellen das jedem vor, und freuen uns über positiven Zuspruch.
Eine besondere Freude war, dass wir Rückenwind von Rotary International erhalten, die über unsere Reise berichten. Sowohl in ihrem Blog:
Als auch auf der Facebookseite und über Twitter verbreitet Gundula unser Projekt. Danke dir! Helft mit, und teilt fleissig!
Dazu hilft uns der District Governor von Neuseeland mit der Verteilung in seinem Newsletter! https://rotarydistrict9980.org/stories/hiking4haiti/
Auch aus Haiti gibt es Neuigkeiten, der erste Brunnen wurde feierlich eingeweiht! Mit einem grossen Fest und viel Begeisterung feiert die Gemeinde die Veränderung. An alle Spender ein herzliches Dankeschön!!
Wenn Euch das Projekt / der Blog gefällt und ihr noch nicht zu den Spendern gehört: nach anstrengenden Tagen, wenn wir mal Empfang haben und sehen, dass eine Spende auf der Website eingegangen ist: das motiviert uns sehr! Seid sicher, dass wir auf jede eingehende Spende mit unserem Whiskey anstossen!
2019-01-20T05:40:26+00:00