Click here for English Fazit eines spektakulären Jahres, die Rückkehr nach Deutschland und der dritte Brunnen!

Was für ein Ritt! Ein Jahr Auszeit liegt hinter uns. Ein Jahr, in dem wir sehr intensiv im Moment leben konnten. Ein einfaches Leben, das meist aus Wandern, Essen, Schlafen bestand. Die größten Sorgen waren: Können wir den Fluss überqueren? Wo können wir zelten? Haben wir genügend Wasser dabei? Wann sind wir endlich da? Wie hoch ist der Berg denn noch?

Es ist entspannend, erdend und wir fühlen uns erholt wie noch nie. Kann auch damit zusammenhängen, dass man beim Wandern unglaublich viel schläft. Da sich der Rhythmus der Natur anpasst, geht man relativ früh ins Bett und steht erst bei kompletter Helligkeit wieder auf (außer auf den Kanaren, da es einfach zu heiß war). So ein Jahr in Kürze zusammenzufassen, ist nicht möglich – da müsst ihr schon die Blogs lesen. Aber die Eckpunkte der Reise möchte ich gerne nochmal aufführen.

September bis Dezember 2018

Unsere Auszeit hatte noch nicht angefangen, aber wir waren abends und am Wochenende fleißig dabei, das Projekt Hiking4Haiti zu starten und die ersten Spender und Sponsoren zu gewinnen. Hiking4Haiti war von der Idee her simple: Die Geschichte unserer Auszeit zu nutzen, um Aufmerksamkeit auf die Lebensumstände auf Haiti zu lenken und so Geld für nachhaltige Trinkwasserversorgung zu sammeln. Spendenziel: 45.000 US Dollar.

In der Zeit von September bis Dezember haben wir konsequent Sponsoren und Spenden gesucht. Mit Erfolg. Am Ende des Jahres hatten wir 15.000€ gesammelt. 5000€ davon kamen von 16 Firmen, deren Logos auch hier zu sehen sind. Ein großer Fundraiser war die Beteiligung an einem Wettbewerb der Credit Plus. Diese lässt Projekte gegeneinander antreten. Ein Onlinevoting entscheidet, wer die 1000€ Spende erhält. Nach großer Mobilisation konnten wir mit über 300 Stimmen das Voting für uns gewinnen. Unsere Abschiedsparty brachte auch nochmal knapp 1000€. Und mein Rotary Club hat mit einer Clubspende von 2500€ unterstützt. Darüber hinaus haben viele Clubfreunde gespendet. Der erste Brunnen war also schon finanziert, bevor wir den ersten Kilometer gewandert waren! 😊

Januar bis März 2019 – Neuseeland

Am 2. Januar haben wir dann alles, was man so für ein Jahr braucht in je einen Rucksack gepackt und sind zur ersten Etappe unserer Reise aufgebrochen: Neuseeland. Eines der vielen Highlights unseres Jahres. 1300 Kilometer liegen zwischen Bluff, dem südlichsten Punkt der Südinsel Neuseelands und Ship Cove, dem nördlichsten Punkt. Dazwischen liegen anstrengende Höhenmeter, unzählige, teils gefährliche Flussüberquerungen, über 70 Nächte, Großteils im Zelt, unglaublich schöne Landschaft, wilde, unberührte Natur, Schmerzen und Freude. Herausforderungen und deren Meisterung. Hunger und Whiskey. Clubbesuche von Rotary Clubs waren schwer zu organisieren, da der Trail meist abseits jeglicher Zivilisation lag. Aber immerhin fünf neuseeländische Clubs konnten wir in die Route einbauen. In jedem sind wir mit rotarischer Herzlichkeit aufgenommen worden und durften über unser Projekt sprechen. Insgesamt 7000€ haben wir in der Zeit auf Neuseeland eingenommen, der Großteil von Menschen, die wir auf dem Trail kennengelernt haben. Der größte Einzelfundraiser war anfangs gar nicht als ein Fundraising geplant, hat am Ende aber 2000€ eingebracht: die Rezitation der Bürgschaft von Friedrich Schiller. Wie das? Das Wandern ist natürlich nicht nur von Höhepunkten geprägt. Mit anfangs 18 Kilo auf dem Rücken, steil 500-1000 Höhenmeter zu wandern ist eine Frage der Disziplin. Mir ging es so, dass jeder Schritt eine gewisse Willensanstrengung gekostet hat. Um mich abzulenken habe ich begonnen, die Bürgschaft auswendig zulernen. Jede Silbe, ein Schritt. So habe ich mich Schritt für Schritt, Silbe für Silbe nach oben gepusht. Unsere Follower auf Facebook haben das mitbekommen und wollten mein Rezitationskönnen live sehen. So entstand das erste Video. Dank viel Zuspruch habe ich dann Rezitationen gegen Spende „verkauft“.

Hier nochmal die Links zu den Blogs (wer mehr über den Te Ararora in Neuseeland lesen möchte):

Nun aber wirklich der finale Countdown

Tag 1-12: Invercargill bis Te Anau, ca. 200km

Von Te Anau bis Wanaka, wieder ca. 200 Wander-Kilometer

Von Wanaka bis Fluss Rakaia, ca. 350km

Von Methven bis St. Arnaud, ca. 290 km

Von St. Arnaud bis Ship Cove / Picton, die letzten 240km!

Nordinsel – Wellington nach Auckland (nur 90 Wanderkilometer)

April bis Juni 2019 – USA

Nach drei Monaten aus dem Rucksack leben, war es wunderbar in USA einen Camper unser Zuhause nennen zu dürfen. 12.500 Kilometer haben wir mit diesem „Hippibus“ zurückgelegt und sind einmal von Las Vegas nach New York durch die USA gefahren. Vor allem an der Westküste und später auch an der Ostküste haben wir Mehrtageswanderungen in den Nationalparks gemacht und insofern 300 Kilometer „geloggt“. Hier waren wir natürlich auch flexibler und konnten so 8 Clubs in den 2,5 Monaten besuchen. Insgesamt 4200€ an Spenden konnten wir in dieser Zeit sammeln. Der größte Fundraiser war der Besuch meiner ehemaligen Gastfamilie und des ansässigen Rotary Clubs in Winfield Kansas. Nach 23 Jahren wieder meine damalige Familie und die Clubfreunde zu sehen war ein ganz besonderes Erlebnis.

Hier findet ihr die einzelnen Blogs:

Las Vegas bis Silicon Valley / Hiking im Grand Canyon und Yosemite National Park (60 Km)

Von der Westküste (San Francisco) bis genau in die Mitte von Amerika (Kansas) – weitere 64 Wanderkilometer!

Auf dem Weg Richtung Ostküste, Kansas bis North Carolina und 125 wundervolle Wanderkilometer in den Smokey Mountains!

Entlang der Ostküste zu den berüchtigten Whites und zurück nach New York – nur 42 Wanderkilometer

Juli bis September 2019 – Neufundland

Die nächsten Kilometer per pedes haben wir auf Neufundland erwandert. Insgesamt 580 Kilometer. Die Hälfte davon an der Ostküste Neufundlands auf dem sog. East Coast Trail. Begleitet war diese Wanderung von täglichen Walbegegnungen. Gekoppelt mit der rauen Landschaft und der Möglichkeit direkt an den Klippen zu campen war das ein weiteres Wanderhighlight. Die zweite Hälfte an der nicht minder schönen Westküste. Toll war hier sicherlich auch ein Radioauftritt bei dem wir von unserem Projekt erzählen durften. Geprägt war Neufundland aber vor allem durch die wunderbaren Menschen, die wir hier kennenlernen durften. Hier wurde der Grundstein einer wunderbaren Freundschaft gelegt. Insgesamt knapp 3000€ sind auf Neufundland in die Kassen von Hiking4Haiti geflossen, der größte Posten waren Spenden anlässlich meines 40igsten Geburtstags. Wir hatten das als Anlass zum Spendenaufruf im Netz genommen und waren erstaunt und glücklich über all die Menschen, die zu diesem Grund gespendet hatten. Viele davon hatten wir nur einmal auf einer Wanderung gesehen oder waren einzelne Clubfreunde aus einem der Clubs die wir besucht hatten.

Lest hier alles im Detail:
East Coast Trail: 300 Kilometer entlang der Küste Neufundlands – oder Wale, Wale, Wale!

280 km an der Westküste von Neufundland – oder die Überschreitung der 2000km Marke, das erste Mal hiken ohne Trail, der längste Einzeltag mit über 40km und ganz viel Party!

Oktober bis November 2019 – Kanaren

Die letzten Kilometer der versprochenen 1600 Meilen sind wir auf den Kanaren erwandert. Ein Fernwanderweg, der GR131 verbindet alle 7 kanarischen Inseln. 450 Kilometer haben wir auf diesem Weg mit Rucksack und Zelt die Inseln erkundet. El Hierro haben wir weggelassen, tatsächlich war uns der Aufwand auf die Insel zu gelangen für „nur“ 40 Kilometer zu groß. Auch die Kanaren haben wunderschöne wilde Landschaften, natürlich kommt man aber unweigerlich auch immer wieder durch die touristischen Zonen. Ein Höhepunkt war sicherlich auch die Besteigung des Vulkans Teide in Teneriffa (3700 müM). In dieser Zeit konnten Spenden in Höhe von 10.000€ gesammelt werden. Hier ist der größte Fundraiser ganz klar mein Rotary Club Stuttgart Wildpark. Die zweite Clubspende gekoppelt mit dem genehmigten District Grant machen allein 7500€ von der Summe aus.

Hier geht es in’s Detail:

Kanarische Inseln – Fernwanderweg GR131- Lanzarote

Fernwanderweg GR131 – Die letzten Kilometer unseres Jahres auf den Kanaren

Haiti

Unglaublich spannend war natürlich unser Besuch auf Haiti. Im Juli, also zwischen USA und Neufundland sind wir in die ehemalige französische Kolonie gereist.

Bitte lest hier, über die Zeit auf Haiti:

Haiti – oder – was Eure Spenden bewirkt haben!

Als Zusammenfassung ist es mir dennoch wichtig, hier nochmal einen Exkurs zur Reflektion von Erfolgen von Brunnenbauprojekten zu machen. Erstmal mein persönlicher Eindruck. Ich war frustriert und zutiefst erschrocken darüber, wie viele kaputte Brunnen wir auf der Fahrt durch Haiti gesehen haben, übrigens auch leere Kindergärten und Schulen auf denen noch stolz das Logo des Sponsors prangte. Neil schätzt, dass auf Haiti 50% der Brunnen nicht mehr funktionsfähig oder reparaturbedürftig sind.

Studien waren schwierig zu finden, aber folgende konnte ich finden:

  • Im Zusammenhang mit der großen Bihar Hungersnot im Jahre 1966/67 wurden Tausende von Brunnen gebohrt und mit Handpumpen ausgerüstet. Acht Jahre später waren nur noch 40 % davon in Funktion. („Brunnenbau in Entwicklungsländer. Problematik der Technik am Beispiel Äthiopiens https://www.geogr-helv.net/34/37/1979/gh-34-37-1979.pdf, 12.12.2019
  • So ergab eine Untersuchung von WaterAid und Nepal Water for Health (NEWAH) 2005 in Nepal, dass 20% der installierten Wasserstellen außer Funktion und 50% reparaturbedürftig waren. Eine 2009 ebenfalls von WaterAid durchgeführte Studie in Tanzania zeigte, dass dort sogar 46% der öffentlichen Wasserentnahmestellen außer Betrieb waren; 25% bereits zwei Jahre nach Installation (Kanta, Bhattarai 2010, Taylor 2009). („P_M.Wembacher_Pumpen_Entwicklungshilfe_19.03.13“. http://www.paulguckelsberger.de/WasserProjekte/IP.Wembacher.Pumpen.Entwicklungshilfe.pdf, 12.12.2019

In den Studien genannte Gründe liegen oft in der nicht konsequenten Einbeziehung der Gemeinde im Vorfeld, sowie der Praxis die Gemeinde nach Fertigstellung der Pumpe allein zu lassen, ohne für ein Managementsystem zu sorgen, dass die nachhaltige Pflege Gewährleistet.

Neill erzählt uns, dass er die ersten zehn Jahre zwar bereits immer die Gemeinde miteinbezogen hat, aber nicht in der Konsequenz, die anscheinend notwendig war. Da er von Anfang an akribisch Daten geführt hat, konnte er nach zehn Jahren eine 100% Analyse von all den Brunnen, die die Organisation erbaut hatte durchführen. Er war am Boden zerstört zu sehen, dass 50% der Brunnen nicht mehr funktionsfähig waren. Statt aufzugeben, hat er sein System hinterfragt und ein neues System installiert, dass die Übernahme von Verantwortung seitens der Gemeinde im Fokus hat. Dieses System spiegelt sich in dem Wort FRAPE, ein Akronym aus kreolischen Wörtern, das für folgende Dinge steht:

F steht für Funktionalität (der Brunnen funktioniert, Wasser kann gepumpt werden). Benutzt wird eine India Mark II, eine sog. Highlift Kolbenpumpe, die weltweiter Standard für Pumpen in der dritten Welt ist. Im Gegensatz zur Vakuumkolbenpumpe kann sie Wasser aus größerer Tiefe nach oben befördern, begrenzt ist die Tiefe nur durch die Kraft die ausgeübt werden muss. Üblich sind 50 Meter, wobei sie auch bis zu 100 Metern funktioniert.). („P_M.Wembacher_Pumpen_Entwicklungshilfe_19.03.13“. http://www.paulguckelsberger.de/WasserProjekte/IP.Wembacher.Pumpen.Entwicklungshilfe.pdf, 12.12.2019

R steht für Verantwortungsübernahme (die Gemeinde hat selbstständig ein System erarbeitet um den Brunnen langfristig betreiben zu können. Dazu gehört unter anderem ein Census, die Aufstellung eines Budgets, die Überzeugung aller oder möglichst vieler Haushalte den Brunnen mit Zahlung einer Gebühr zu nutzen, die Festlegung der Öffnungszeiten, die Festlegung eines Brunnenwartes, die Gespräche und Verhandlungen mit den lokalen Autoritäten).

A steht für Sanitär, das bedeutet, dass jeder Haushalt eine Latrine besitzt. Fehlende werden durch die Gemeinde selbstständig errichtet.

P steht für sauberes Trinkwasser. Jeder Brunnen wird getestet auf Krankheitserreger. Die Gemeinden berücksichtigen in Ihrem Budget, dass die Testung wiederholt werden kann.

E steht für Inspektion. Jeden Monat nach der Einweihung des Brunnens wird der Brunnen von der Gemeinde inspiziert und ein Bericht angefertigt. Die Berichte werden dann mit Haiti Outreach Mitarbeitern besprochen und falls nötig Maßnahmen abgeleitet. Die Inspektion ist „ongoing“, Haiti Outreach betreut so alle über 500 Brunnen, die sie errichtet haben in den 20 Jahren.

Erst, wenn der Brunnen und die Gemeinde „FRAPE“ ist, wird der Brunnen feierlich eröffnet. Das dauert je nach Gemeinde 3-4 Monate. Der eigentliche Akt des Brunnen Bohrens ist also im Vergleich zu allen anderen Aktivitäten zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit minimal.

Mit diesem Konzept haben sie eine phänomenale, nachweisbare Quote von einer Funktionalität von 90% der Brunnen nach 20 Jahren. Natürlich haben wir die 10% hinterfragt. Hier war es oftmals so, dass eine andere non profit – gut gemeint – in der Nähe einen weiteren Brunnen erbaut hat. Die Entnahme des Wassers ist hier kostenlos was zu einem Zusammenbrechen des Systems geführt hat. Erst wenn der kostenlose und der von Haiti Outreach defekt ist, wird der Gemeinde bewusst, was sie verloren haben.

Lasst uns nochmal einen gemeinsamen Blick werfen auf die Gemeinden, die dank Eurer Spenden nun lebenslang mit sauberem Trinkwasser versorgt sind:

Mendos Nr 1

Hier gibt es 29 Häuser mit insgesamt 213 Bewohnern. Die alte Wasserquelle lag 45 Minuten Fußmarsch entfernt.

Der Brunnen wurde mit den ersten Spendengeldern bereits Ende des Jahres 2018 in Betrieb genommen. Spannend zu sehen und hören, wie es der Gemeinde nun, sechs Monate danach erging. Wir wurden mit einem kleinen Fest begrüßt. Es gab eine Rede der Committee Präsidentin, mehrere Kinder hatten eine Aufführung vorbereitet und natürlich wurde der Brunnen für uns – außerhalb der Öffnungszeiten – geöffnet.

Wir hatten darüber hinaus viel Zeit mit den Mitgliedern zu sprechen. Eine Frau kam auf uns zu und dankte uns – mit Tränen in den Augen wohlgemerkt – dafür dass ihre Kinder nun keinen Durchfall mehr haben. Der jungen Dame, die die Präsentation gehalten hat war ihr Stolz auf das Erreichte anzumerken. Aber auch ihre Dankbarkeit, dass ihre Gemeinde die Chance erhalten hat, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Es war sehr berührend zu sehen, wie wertvoll für sie dieser Brunnen und alles was dazugehört war. Viele der Mädchen können in dieser Gemeinde nun in die Schule gehen, da sie die Zeit dafür haben. Es war schön aber auch beschämend zu sehen, wie dankbar diese Menschen waren. Nicht für fließend Wasser im Haus, sondern „nur“ ein Brunnen, der ihnen zweimal am Tag die Möglichkeit gibt, sauberes Wasser zu holen.

Bohoc Haff

64 Häuser, 345 Menschen.

Die zweite Gemeinde sollte mit unserem Besuch ihren Brunnen eröffnet bekommen. Alle Maßnahmen zum nachhaltigen Erhalt wurden bereits vollendet, nur bei der Brunnenbohrung kam es zu Problemen. Bei den ersten zwei Bohrungen wurde kein Wasser gefunden. Insofern konnten wir nicht gemeinsam eröffnen, aber uns mit der Gemeinde austauschen. Auch hier spürten wir den Stolz der Committee Mitglieder über das Erreichte. Wir erfuhren, dass sich zwei Häuser der Gemeinde weigerten, sich anzuschließen. Es handelte sich um ältere Bewohner, die die Notwendigkeit für das Wasser zu bezahlen nicht einsahen. Die Frustration war zu spüren, mehr über ihre eigene Unfähigkeit, die zwei nicht überzeugen zu können. Aber sie waren am Ende der Diskussion einig, dass die zwei sich anschließen würden, sobald der Brunnen in Betrieb ist.

Am Ende kam eine der Committee Mitglieder auf uns zu. Sie war sehr schüchtern aber sie wollte unbedingt etwas loswerden. „Ich werde mit allem was ich bin und kann sicherstellen, dass dieses großzügige Geschenk ein Leben lang gehegt und gepflegt wird, sodass wir für immer sauberes Wasser haben“.

Mit diesen Eindrücken verließen wir die Gemeinde.

Der dritte Brunnen in der Gemeinde Lotbo Samana

Mit der Rückkehr nach Deutschland trennten uns „nur“ noch knapp 2000€ um die dritte Gemeinde auf Haiti einen Brunnen zu finanzieren. Ein Vortrag bei meinem Rotary Club Stuttgart Wildpark führte dazu, dass meine rotarischen Freunde sich spontan in Privatspenden zur Erfüllung des Ziels bereit erklärten. Vielen lieben Dank! Damit haben wir es geschafft!

Die Gemeinde befindet sich seit Juli bereits im FRAPE Prozess und wartete sehnlichst auf die Freigabe zum Bau des Brunnens. Die Gemeinde heißt Lotbo Samana. Hier geht es um 41 Häuser mit 247 Menschen.  Mit unserer Zusage an Haiti Outreach konnte der Brunnen Ende des Jahres feierlich eröffnet werden. Seht selbst welche grosse Freude das für die Menschen war in den gezeigten Bildern.

Vielen tausend Dank, dass ihr uns unterstützt habt!

Die letzten Worte an Euch

Nun endet unser Bericht. Wir werden meist gefragt: Was hat Euch am besten gefallen? Würdet ihr die Entscheidung, ein Jahr weg zu gehen, wieder treffen? Hat das Jahr euch verändert?

Es gab so viele Highlights, dass eine Bewertung den tollen Momenten nicht gerecht wird. Keinen einzigen Stepp unserer Reise würden wir missen wollen.  Jeder hatte seine besonderen Momente, die uns lange in Erinnerung bleiben werden. Klar beantworten können wir beide, ob wir die Entscheidung wieder so treffen würden. 100% Ja, ohne aber. Wir treffen viele Menschen, die sagen: ach, ich würde das auch gerne mal machen, aber… Natürlich muss jeder seine Lebenssituation alleine einschätzen. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen, dass alle Hindernisse und Ängste, die aufkamen, in meinem Kopf deutlich grösser waren, als dann in der Realität. Der Spruch: „I will cross that bridge, when I get there“, symbolisiert für mich die gewonnene Einstellung in diesem Jahr. Nicht zu viele Sorgen machen, über die Dinge, die ggf. passieren können. Lösen kann man sie erst, wenn sie da sind. Ich hoffe, diese Gelassenheit auch in meinen neuen Arbeitsalltag ab Januar bewahren zu können. Diese Erkenntnis beantwortet zum Teil auch die dritte Frage. Wir sind beide keine anderen Menschen geworden. Wir haben aber durch die vielen Erfahrungen z.T. andere Perspektiven kennengelernt und diese haben uns geprägt. Zum Beispiel, wie dankbar wir sein können über das Leben, das wir führen können, im Gegensatz zu Menschen auf Haiti. Dass man alltägliche Dinge erst wieder zu schätzen weiß, wenn man sie eine Zeitlang entbehren musste (z.B. eine Dusche, fließend Wasser, ein Dach über dem Kopf)

Oder, dass man viel zu oft, andere Menschen zu schnell bewertet. Uns ist außerdem aufgefallen, dass oft ärmere Menschen viel großzügiger waren und selbstlos Hilfe angeboten haben. Das hat nachdenklich gemacht.

Eine Einstellung, die mich bereits vorher geprägt hatte, hat sich bewahrheitet:  Wenn man es wirklich will, kann man alles erreichen! Alle Herausforderungen, sei es körperlich oder psychischer Art konnten wir gemeinsam meistern. So auch bei Hiking4Haiti. Mit Willen, Konsequenz und Eurer Unterstützung konnten wir über 900 Menschen ein Stück bessere Lebensqualität bieten. Was für ein Gefühl!

Danke fürs lesen, kommentieren, spenden! Ich hoffe, es hat euch so viel Spaß gemacht wie uns.

Nach 2633km, 41650 ersammelten Euros (46.200 US Dollar und somit 1200 US$ über unserem Ziel!), über 30 Blogeinträgen in deutsch und englisch, über 400 Lesern und einem einfach phänomenalem Jahr endet hier unser Bericht.

Alles Liebe

Heiko und Alex

2020-01-12T11:38:40+01:00