Anreise Haiti – oder – kann man wirklich auf einer Wiese landen?

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Jetzt ist es also soweit. Nachdem wir schon viel über Haiti gesprochen haben, uns viel angelesen haben über die Situation vor Ort, fliegen wir nun hin um mit eigenen Augen das Land und die Leute zu sehen. Die Anreise ist etwas langwierig, da wir New-York – Miami – Panama City – Port au Prince fliegen. Ja, wir wissen, dass das nicht der direkte Weg ist ..:) Leider ist das eine der wenigen Nachteile eines „around the world“ Tickets, dass man immer mit Star Alliance fliegen muss. Und so führt uns der einzige Weg über Panama City. Angekommen in Port au Prince kommen wir schnell durch die Einreiseformalitäten, nicht soviel los. Auch der Zoll ist unproblematisch, es gibt nämlich keinen. Gut, weil wir einen ganzen Rucksack voller übriggebliebener Trockennahrung dabei haben und nicht wussten, ob das wohl konfisziert wird. Wir kommen also gut durch und werden am Terminal bereits von einem Mitarbeiter von Haiti Outreach erwartet. Eine kurze Fahrt später sind wir an einem anderen kleinen Flughafen. Für den Weg nach Pignon haben wir uns nämlich ein Flugzeug gechartert. Hört sich dekadent an, gell! Die Alternative ist eine 4 stündige Fahrt quer durch Haiti. Mit den momentanen Unruhen im Land (aufgrund derer es eine explizite Reisewarnung aus dem auswärtigen Amt gibt) haben wir uns für diese sichere Variante entschieden.  Ist auch nicht wirklich teuer. Sehr gut. Wir sehen schon ein Flugzeug auf dem Rollfeld, oh, das ist aber klein. Na hoffentlich ist das sicher… Als ich mich endlich an den Gedanken gewöhnt hatte, dass wir mit dem kleinen Ding fliegen, kommt ein weiteres Flugzeug. Es sieht aus wie eine Spielzeugversion eines Flugzeuges. Ohhh, das wird wohl unseres sein. Kann man darin überhaupt sitzen? Man kann! Für Heiko etwas unbequem, aber wir können uns samt Gepäck hineinquetschen. Wie machen das Menschen, die wirklich Koffer dabei haben? Naja, unsere Rucksäcke finden in jedem Fall Platz. Unser Pilot John ist Amerikaner, der, wie er mir versichert, fliegt seit er 13 Jahre alt ist. Alles klar.

Der Flug ist wirklich schön, wenn man sich an den Umstand gewöhnt hat, dass das Flugzeug sehr klein ist. Wir haben ruhiges Wetter und eine grandiose Aussicht. Und das ohne erst anstrengend einen Berg zu besteigen, toll! Wir nähern uns Pignon. Moment mal, da ist ja gar keine Landebahn. Doch, doch, versichert uns John und landet auf einer Wiese. Krass!!

Die Systematik von Haiti Outreach, erstmal in der Theorie.

Wir werden von Neill begrüsst, einer der Gründer von Haiti Outreach. Er ist gebürtiger Amerikaner, lebt nun aber seit 30 Jahren auf Haiti. Er erzählt uns, dass er die ersten Jahre auch schon Brunnen gebaut hat, jedoch ohne seine jetzige Systematik. Nach zehn Jahren hat er eine Analyse gemacht, wieviele der Brunnen noch funktionieren. Das Ergebnis hat ihm die Augen geöffnet: 50% der Brunnen waren nicht mehr funktionsfähig oder das Wasser verunreinigt. Nach diesem Ergebnis – das übrigens in ganz Haiti, egal welche Organisation, valide ist, hat er das Konzept von Haiti Outreach aufgebaut. Mit diesem System hat er nun – mit genauen Daten hinterlegt – ein Ergebnis von 90% funktionsfähigen Brunnen nach 20 Jahren. So ganz kann ich das noch nicht verstehen, warum das so ist. Wie es meiner Natur entspricht bin ich erstmal skeptisch und will das selber sehen, erfragen und erleben.

Aber bevor wir ins Feld gehen, lernen wir erstmal in Theorie über das System.  Erstmal wurde ein Kartensystem aufgebaut, gemeinsam mit der Haiti Regierung und World Vision um den aktuellen Status der Wasserversorgung zu visualisieren. Haiti Outreach verfeinert diese Karten mit weiteren Informationen, wie Wasserqualität der Wasserquelle, Anzahl der Menschen im Umkreis von 500 Metern entfernt von der Wasserquelle, Anzahl der Häuser mit Latrinen, usw….Die Datenbasis dient sowohl als Status, als auch als Planungstool. Ausserdem dient es zur Auswertung, da alle Brunnen monatlich inspiziert werden und so die Datenbasis immer aktuell gehalten wird. Mit Hilfe dieser umfangreichen Daten ist die Auswahl der nächsten Regionen zum Bau von Brunnen transparent. Nicht Haiti Outreach priorisiert sondern in einem Workshop die lokalen Autoritäten. Somit wird sichergestellt, dass der Action Plan Bedürfnisorientiert ist und nicht persönliche Präferenzen die Auswahl beeinflussen. Es hilft ausserdem, sich zu fokussieren, denn insgesamt haben 52% der Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser auf Haiti. Wenn eine Region festgelegt ist, beginnt bereits der Veränderungsprozess, der am Ende dazu führt, dass der Brunnen FRAPE ist. FRAPE ist ein Akronym aus kreolischen Wörtern, die für folgende Dinge stehen:

F steht für Funktionalität (der Brunnen funktioniert, Wasser kann gepumpt werden),

R steht für Verantwortungsübernahme (die Gemeinde hat selbstständig ein System erarbeitet um den Brunnen langfristig betreiben zu können. Dazu gehört unter anderem ein Census, die Aufstellung eines Budgets, die Überzeugung aller oder möglichst vieler Haushalte den Brunnen mit Zahlung einer Gebühr zu nutzen, die Festlegung der Öffnungszeiten, die Festlegung eines Brunnenwartes, die Gespräche und Verhandlungen mit den lokalen Autoritäten).

A steht für Sanitär, das bedeutet, dass jeder Haushalt eine Latrine besitzt. Fehlende werden durch die Gemeinde selbstständig errichtet.

P steht für sauberes Trinkwasser. Jeder Brunnen wird getestet auf Krankheitserreger. Die Gemeinden berücksichtigen in Ihrem Budget, dass die Testung wiederholt werden kann.

E steht für Inspektion. Jeden Monat nach der Einweihung des Brunnens wird der Brunnen von der Gemeinde inspiziert und ein Bericht angefertigt. Die Berichte werden dann mit Haiti Outreach Mitarbeitern besprochen und falls nötig Maßnahmen abgeleitet. Die Inspektion ist „ongoing“, Haiti Outreach betreut so alle über 500 Brunnen, die sie errichtet haben in den 20 Jahren.

Erst, wenn der Brunnen und die Gemeinde „FRAPE“ ist, wird der Brunnen feierlich eröffnet. Das dauert je nach Gemeinde 3-4 Monate. Der eigentliche Akt des Brunnen bohrens ist also im Vergleich zu allen anderen Aktivitäten zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit minimal. Nach der Einweisung sind wir bereit für die Feldbesuche. Was uns schonmal sehr positiv beeindruckt hat, ist die Systematik und Transparenz des Auswahlprozesses für die Projekte, sowie das konsequente Projektmanagement das hinter der Arbeit steht. Hut ab!

Unser erster Besuch ins “Feld”, die Gemeinde Mendos Nr. 1

Unser erster Feldbesuch führt uns zu einer Gemeinde Namens Mendos #1 (34 Häuser, 191 Einwohner)

Standort Gemeinde Mendos Nr.1

Wir nehmen an einem Committee Meeting teil (Jede Gemeinde bestimmt ein Committee Meeting, dass quasi die Projektgruppe für den Brunnen ist. Das Committee muss immer mehr Frauen als Männer als Teilnehmer haben. Hintergrund ist, dass die Frauen diejenigen sind, die für die Wasserversorgung der Familie zuständig sind.). Die Gemeinde ist schon relativ weit fortgeschritten. Momentan läuft gerade die Wasserbohrung. Inhalt dieses Meetings ist die Vorbereitung der Feierlichkeiten zur Inbetriebnahme. Aber erstmal erzählt uns die Präsidentin des Committees, was in den letzten drei Monaten schon alles erreicht wurde. Stolz erklärt sie uns, dass sich alle Haushalte bis auf zwei für den Brunnen angemeldet haben. Die Idee für das Wasser – wenn auch nur eine Kleinigkeit – zu bezahlen, ist in Haiti ungewohnt. Die Vorteile überwiegen natürlich bei weitem und das Geld ist dringend benötigt, dass die Gemeinde langfristig auf eigenen Beinen bzgl. Des Brunnens steht. Trotzdem ist das „Einwerben“ von Gemeindemitgliedern eine Aufgabe, die neu für die Committee Mitglieder ist. In dem Prozess müssen sie für ihre Idee und Überzeugung einstehen und die Vorteile verkaufen. Dabei befinden sie sich erstmal weit ausserhalb ihrer Komfortzone. Aber, und man spürt das beim erzählen, die Mitglieder des Committees wachsen an dieser Aufgabe, werden stärker, steigern ihr Selbstbewusstsein und lernen, dass, wenn man etwas wirklich will, es Wirklichkeit wird. WOW. Wir sind geplättet von diesem Stolz und dieser offensichtlichen Entwicklung.

Bye the way verstehen wir, dass die übliche Praxis anderer non Profit Organisationen nicht zum Ziel führen kann und sogar kontraproduktiv ist, da hier das Wasser umsonst gepumpt werden kann, aber niemand sich um die Pumpe kümmert. Sie zerfällt üblicherweise nach einigen Jahren oder ist verunreinigt. Bei unseren Fahrten durch Haiti sehen wir unzählige dieser Pumpen.

Alle vorher in der Theorie vorgestellten Maßnahmen werden uns nun von der Gemeinde stolz erklärt. Das ist mal gute Umsetzung von Theorie zur Praxis. Aus meiner eigenen beruflichen Welt weiss ich, wie schwer es ist, Menschen so zu führen, dass sie die Ideen und Systematiken aus vollem Herzen übernehmen. Haiti Outreach ist in dieser Phase Coach für die Gemeinden, führt sie über Fragen zu den benötigten Maßnahmen. Wir wollen noch den Fluss besichtigen, wo bislang Wasser geholt wird, leider bedeutet das ein Laufweg von 1h und das lässt unser Zeitplan nicht zu. Die Frauen sind belustigt ob meines Interesses wie sie das Wasser den auf dem Kopf transportieren und zeigen mir wie sie das machen. Ich probiere auch mal mein Glück, aber ich schaffe es nicht mal mit dem Eimer auf dem Kopf zu stehen geschweige den zu laufen. Ich weiss nicht, wie sie das machen und sie sind ehrlich erheitert, dass es mir so schwer fällt…Wir schauen uns noch an, wo die Bohrung durchgeführt wird und verabschieden uns von dieser Gemeinde mit vielen guten Wünschen und Danksagungen ihrerseits.

Ein Inspektionsmeeting und ein gemütlicher Ausklang mit kühlem Bier in den Strassen von Pignon.

Unser nächster Stop ist ein Inspektionsmeeting. Jeweils 3 Vertreter aus 3 Gemeinden sind gekommen um ihre Berichte zu besprechen. Die Berichte wurden vorher ausgefüllt und beziehen sich sowohl auf Ist zu Budget als auch auf eine Reflektion auf die aufgestellten Regeln und deren Einhaltung. Methodisch ist das Meeting so aufgebaut, dass der Haiti Outreach Mitarbeiter eher moderiert. Die Berichte werden unter den Gemeinden getauscht und gegenseitig analysiert. Unstimmigkeiten werden erfragt und dann diskutiert. Auch wenn wir naturgemäß trotz Übersetzer nicht alles verstehen, wird uns in der Beobachtung klar, dass hier sehr offen und ernst gearbeitet wird. Es entsteht eine lebhafte Diskussion über die Erstellung von Quittungen für die Zahlung für Wasser. Eine Gemeinde hat aufgehört, Quittungen auszustellen, da es mehr Arbeit erfordert. Die anderen zwei Gemeinden argumentieren lebhaft und voller Inbrunst, weisen darauf hin, dass ohne Quittungen die Transparenz fehlt. Am Ende wird vereinbart, dass wieder Quittungen erstellt werden.

Der Meetingsort ist für uns etwas speziell. Wenn er nicht für offizielle Treffen genutzt wird,  dient der Platz zur Ausübung von Hahnenkämpfen, brrr, das muss ich nicht unbedingt sehen.

Neill nimmt uns abends noch mit in das Städtchen Pignon und wir können ihn bei einem Bierchen weiter mit Fragen und Eindrücken überschütten… 😊

Ein emotionaler Besuch “unserer” ersten Gemeinde in Mantimote – oder – wieviel Rum kann man trinken?

Am nächsten Tag besuchen wir „unsere“ erste Gemeinde in Man Timote. Dank der vielen großzügigen Spenden hatten wir den ersten Brunnen schon Ende letzten Jahres finanziert. Das wird spannend zu sehen, was sich nun – ½ Jahr nach der Eröffnung – in der Gemeinde getan hat. Leider ist die Gemeinde ein Stück weg und wir kommen das erste mal richtig in den Genuss von den Haitianischen Strassen. Es sind zum grossen Teil unbefestigte Wege mit grossen Löchern, sodass das Fahren eher einer Achterbahn gleicht. Wir teilen uns die Strasse mit Fussgängern die Dinge schleppen (auf dem Kopf natürlich), so wie Holz, Wasserkanister, Eimer mit Wäsche usw, mit bepackten Eseln, mit Motorrädern, die mit 3-4 Menschen gefährlich überladen scheinen und ab und zu ein Tok Tok. Dies ist die Haitianische Form des Taxis, sie heissen TokTok, weil man dem Fahrer auf die Schulter klopft, wenn man aussteigen will. Nahe an der Grenze zu der Dominikanischen Republik liegt die Gemeinde Man Timote.

Standort von Mantimote

Hier gibt es 29 Häuser mit insgesamt 213 Bewohnern. Die alte Wasserquelle lag 45 Minuten Fussmarsch entfernt. Schon als wir vorfahren, sehen wir, dass wir sehnlich erwartet werden. Am Zugang zum Dorf empfängt uns ein geschmückter Eingang, sowie ein „Herzlich Willkommen Hiking4Haiti und Rotary Stuttgart Wildpark“-Schild. Das kleine Fest wird mit Musik begonnen, dann Gebete und schliesslich eine Rede der Präsidentin des Committees. Diese Rede rührt mich zu Tränen, ernsthaft, es war so bewegend zu hören, wie das Leben vorher war, was sie alles in Bewegung gesetzt haben um sich den Traum von sauberem Wasser zu erfüllen und wie glücklich sie nun mit diesem Geschenk sind. Bei all dem Stolz, was sie selber geschafft haben, weiss sie das Geschenk, dass ihr liebe Spender, dieser Gemeinde gegeben hat, sehr zu schätzen. Sie bedankt sich, dass Menschen, die überhaupt nicht wussten, dass es diese Gemeinde gibt, bereit sind, Geld zu spenden, damit sie sauberes Wasser erhalten. Für sie scheint es wie ein Wunder, dass gerade ihre Gemeinde von dieser Spende profitieren konnte. Gottseidank kam danach erstmal eine Tanzeinlage von den Kindern der Gemeinde, Zeit genug, um mich wieder ein wenig zu fassen 😉 Im späteren Gespräch erzählt sie, dass nun alle Mädchen die lokale Schule besuchen können, da das Wasser nicht mehr die Hauptbeschäftigung ist. Ein anderes Gemeindemitglied erzählt uns, dass sie so dankbar ist, weil ihre Kinder nun nicht mehr ständig Durchfall haben. Wow, ist das nicht bedrückend, dass das keine Selbstverständlichkeit ist? Ich meine, wir reden hier ja nicht davon, dass sie Wasser in ihren Häusern haben, was für uns Selbstverständlich ist. Diese Gemeinde ist glücklich, weil sie nicht mehr 45 Minuten einfach laufen müssen und weil das Wasser sie nicht mehr krank macht… Das erdet…

Natürlich pumpen wir noch und füllen unsere Wasserflaschen auf, das lassen wir uns nicht entgehen!

Aufgeladen mit all diesen Eindrücken und Erlebnissen machen wir uns auf die lange Heimfahrt nach Pignon. Auf dem Weg zeigt uns Neill Kakaobäume, Erdnusssträucher, Bananenbäume, Kokosnussbäume, Brotfruchtbäume, usw. Heiko würde am liebsten ständig anhalten, um alles zu pflücken und zu essen… Paradies! Wir schliessen diesen tollen Tag mit einem Rum auf dem Dach von Neills Haus. Er hat eine traumhafte Aussicht vom Dach aus und einen guten Rum. Der perfekte Abschluss eines erlebnisreichen Tages! Je leerer die Flasche Rum, desto philosophischer wurden natürlich die Gespräche. Einfach ein lustiger Typ, der Neill, wir hatten einen tollen Abend. Gottseidank war die Rumflasche zu Beginn nicht ganz voll, das hätten wir am nächsten Tag sicherlich bereut… 😉

“Unsere” zweite Gemeinde: Bohoc/Haff, eine traumhafte Nacht unter Sternen und ein kaputtes Iphone!

Am nächsten Tag besuchen wir Bohoc/Haff, eine Gemeinde mit 64 Häuser, mit 100% Latrinen, 345 Menschen.

Standort Gemeinde Bohoc/Haff

Hier wird „unser“ zweiter Brunnen installiert. Eigentlich sollte die feierliche Eröffnung während unseres Besuches stattfinden, aber der Prozess hat sich verzögert, da beim ersten Bohren kein Wasser gefunden wurde. Mittlerweilen ist Wasser gefunden, die Pumpe installiert, nun fehlt noch das Brunnenhaus samt Bemalung. Erst dann kann eröffnet werden. Natürlich sind wir enttäuscht, können aber verstehen, dass das passieren kann. Wir nutzen die Zeit um viele Fragen an die Gemeinde zu stellen und sind wiederum begeistert von dem Committment und Ernsthaftigkeit mit der sie an der Erfüllung ihres Traumes von sauberem Wasser arbeiten. Bei der Verabschiedung kommt eines der Committee Mitglieder auf uns zu. Sie war während des Meetings sehr zurückhaltend und schüchtern und man merkt ihr an, dass sie allen Mut zusammennimmt um auf uns zuzukommen. Mit Hilfe des Übersetzters vermittelt sie uns folgende Worte: „Ich werde mit allem was ich bin und kann sicherstellen, dass dieses großzügige Geschenk ein lebenlang gehegt und gepflegt wird, sodass wir für immer sauberes Wasser haben“. WOW, das war ein Hammer zu hören. Es war so authentisch und ernsthaft, dass mich Gänsehaut überzogen hat. Aber genau das ist das was wir sehen wollten: ob die Spenden gut eingesetzt werden um langfristig gutes zu tun. Nach all den Fragen, Besuchen und direkten Eindrücken kann ich sagen: ja, das werden sie!

Wenn das überhaupt möglich ist, sind wir noch überzeugter von der Richtigkeit des Projektes und unglaublich froh, Haiti Outreach als Partner gewählt zu haben. Viele Organisationen bauen hier Brunnen, wenige scheinen die Veränderung der Gemeinde zu mehr Verantwortung so in den Mittelpunkt zu stellen wie Haiti Outreach. Und wie soll das funktionieren, wenn ein Brunnen hingebaut wird, das System Gemeinde aber nicht miteinbezogen wird und sich verantwortlich fühlt. Nach dem was wir hier erlebt haben, scheint das so klar und einfach zu sein, dass das der richtige Weg ist. In langen Gesprächen mit Neill erzählt er uns, dass er mit allen NGOs in Haiti in Kontakt steht um seine Datenbasis und sein System zu teilen. Das Ziel ist 100% Zugänglichkeit zu Wasser und das kann Haiti Outreach nur erreichen, wenn auch andere NGOs die Verantwortungsübernahme der Gemeinden in den Vordergrund stellen. Jeder, der sich mit Change Management befasst weiss, wie langwierig es ist, Verhaltensweisen zu verändern. Natürlich ist es einfacher, einen Brunnen zu bauen und sich dann mit der Anzahl der gebauten Brunnen zu brüsten. Wirkliche Veränderung anzustossen ist ungleich schwieriger. Und dann die Nachhaltigkeit zu messen, ist natürlich anstrengend. Neill zeigt uns noch „unseren“ Report. Wir erhalten Zugriff auf seine Datenbasis und können das Projekt „Hiking4Haiti“ filtern. Dort finden sich alle in betriebgenommene Brunnen von uns mit Anzahl der Menschen, der Latrinen, des Kontostandes der Gemeinde und des monatlichen Inspektionsberichts. So können wir noch in zehn Jahren sehen, ob und wie sich die Gemeinde entwickelt. Toll!

Zum Abschluss dieses Tages nehmen wir die Gelegenheit beim Schopfe und folgen der Einladung von Neill auf seinem Dach zu übernachten. Wir werden mit einem unglaublichen Sternenhimmel belohnt. Da ich meine Ohropax vergessen hatte, habe ich unglaublich viel Zeit den Sternenhimmel zu beobachten…. Warum? Die ganze Nacht wurden wir von einer Kakophonie an Geräuschen begleitet. Heiko hat geschlafen, während ich dem Wiehern der Esel, dem Bellen der Hunde, dem Krähen der Hähne und vielen anderen nicht identifizierbaren Geräuschen gelauscht habe. Ich dachte immer die Hähne krähen nur morgens, Pustekuchen, die Viecher krähen die ganze Nacht! Aus lauter Angst vor Moskitos hatten wir ein Insektenabwehröl dabei. Das Ding ist ausgelaufen über Nacht, natürlich über mein iphone. Moskitos haben wir keine gesehen, dafür macht das iphone nun keinen Mucker mehr. Alle Passwörter, banking, Kontakte,… futsch. Naja, wir fliegen ja bald nach Kanada, mal sehen, ob und wieviel wir über ein icloud backup wieder herstellen können…. Blöd. Aber die Nacht unter dem tollen Sternenhimmel war es in jedem Fall wert. 😉

Unser Fazit des Besuchs und die Bitte für Eure Unterstützung!

Wir verlassen Haiti mit gemischten Gefühlen. Zum einen glücklich, dass eure Spendengelder so gut verwendet wurden, zum anderen traurig, dass immer noch soviele Menschen auf Haiti kein sauberen Trinkwasserzugang haben.

Wir sind bestärkt darin, sovielen Gemeinden wie möglich zu helfen. Bitte, helft mit! Wenn Euch unser Abenteuer gefällt, ihr den Blog geniesst und vielleicht noch nicht gespendet habt, dann nehmt diesen Bericht bitte als Anlass das Projekt zu unterstützen. Alle benötigten Infos zum spenden findet ihr auf unserer Homepage unter „Spenden“.

Hier könnt ihr spenden!

Wir sind der festen Überzeugung, dass diese Gelder sehr gut angelegt sind. Falls noch Fragen zu Haiti Outreach bestehen, bitte einfach bei uns melden, wir stehen hier mit voller Überzeugung hinter dem System!!

Übrigens, in Kürze wird auf der Website ein kleines Video von Haiti veröffentlicht. Wenn ihr also sowieso zum spenden auf der Seite seid, schaut es euch an! 😉

2019-08-23T16:41:07+02:00